Pilgerbericht Hannelore - Normale Sieben-Gang-Schaltung gegen flotte E-Bikes....

Geschrieben von Hannelore T.
Zugriffe: 8725

Vor gut einem Jahr erzählte Maria mir begeistert von ihren Erfahrungen bei der Fahrrad-Wallfahrt nach Trier. Eine Gruppe der St. Matthias-Bruderschaft Kleinenbroich, der Maria angehört, organisiert seit einigen Jahren eine Fahrrad-Pilgerfahrt zum Grab des Hl. Apostel Matthias.

Spontan habe ich dann gesagt, dass ich so etwas auch gerne einmal ausprobieren würde, da ich ei-nerseits auch schon zu Fuß nach Trier gepilgert bin, andererseits aber auch gerne mit dem Rad fahre.

Zum Schluss des Gespräches meinte Maria dann, dass sie zum Anmeldetermin für die Wallfahrt 2014 an mich denken würde.

Ende 2013 erhielt ich von Ihr dann einen kleinen Zettel mit dem Datum „30. Mai 2014 Wallfahrt“.

Nun war ich am Zuge. Da ich auch das Gefühl hatte, eine kleine Auszeit würde mir gut tun, habe ich, nachdem ich das mit dem Urlaub an meinem Arbeitsplatz geklärt hatte, zugesagt, mich der Gruppe der Fahrradpilger anzuschließen.

Es fanden nun mehrere Vortreffen statt, wobei ich dann die Gruppe kennen lernte und diese auch mich. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, dass das klappen könnte.

Nur ein Problem hatte ich. Im Verlauf der Treffen stelle sich heraus, dass alle Teilnehmer mit E-Bikes ausgerüstet waren, nur ich nicht.

Aus mehreren Gründen hatte ich aber auch nicht vor, mir ein E-Bike zuzulegen oder zu leihen. Was tun – doch noch absagen? Nach einigen schlaflosen Stunden habe ich dann entschieden, meinem Rad und mir zu vertrauen und sagte mir, das schaffst du schon, zumal mir meine Mitpilger bestätigten, dass sie die Tour auch schon mit normalen Rädern bewältigt hätten. Darüber hinaus würde selbstver-ständlich in der Gruppe aufeinander gewartet.

Um noch mehr Sicherheit zu haben, habe ich dann meinen Fahrradfachhändler in Herrenshoff aufgesucht und ihn gebeten, mein Rad noch mal zu inspizieren und für diese Tour fit zu machen.

Von der Organisatorin Resi wurde mir eine Liste mit den notwendigsten Dingen, die man als Rad-Pilger dabei haben sollte, mitgegeben. Hierzu gehörten u.a. auch ein Fahrradhelm sowie die orange-farbene Sicherheitsweste, Regenkleidung für alle Fälle und auch Sonnencreme, falls der Regen sich netterweise woanders niederlassen sollte.

Am Christi-Himmelfahrtstag, den 29.05.2014, begann mit einem Gottesdienst um 5 Uhr morgens in der Pfarrkirche St. Dionysius die Wallfahrt der St. Matthias-Bruderschaft Kleinenbroich.

Pfarrer Marc Zimmermann und Präses Diakon Friedhelm Messerschmidt erteilen allen Fuß- und Radpilgern den Segen für eine gute Wallfahrt.

Die Fußpilger begaben sich danach schon auf ihren Weg zum Apostelgrab des hl. Matthias nach Trier. Wir Radpilger fuhren anschließend wieder nach Hause, da wir ja erst am nächsten Tag starteten.

Der Himmelfahrtstag war regnerisch, kalt und ungemütlich. Ich fühlte mich den ganzen Tag über müde und hatte keine Motivation, meinen Koffer zu packen.

War es die kalte Witterung, war es eine innere Unruhe vor der Pilgertour, ich wußte es mir nicht zu erklären.

Im Verlaufe des Tages habe ich es dann aber doch geschafft, meine Sachen zu packen, die dann am Nachmittag zu Karin gebracht wurden. Für die Tour wurde ein Kleintransporter gemietet, der von Karin gefahren, uns dann auch die nächsten Tage begleitet hat und mit dem dann u.a. das Gepäck zu den jew. Quartieren gebracht wurde.


Beginn der Wallfahrt vom 30.05.2014 bis zum 04.06.2014

Nach einer mehr oder weniger unruhigen Nacht wurde ich dann morgens um 5 Uhr per Radiowecker geweckt – mit dem Song der Toten Hosen „An Tagen wie diesen“. Na, wenn dass kein gutes Zeichen ist, dachte ich mir und stand auf. Es wurden noch die letzten Sachen in die Fahrradtaschen verstaut. Abschied von Mann und Haus genommen und um 6.30 Uhr mit Maria nach Kleinenbroich zum Treffpunkt an der Pfarrkirche geradelt.

Dort trafen wir dann auf unsere Gruppe: Gertrud, Marlene, Resi und Peter aus Kleinenbroich, Maria und ich aus Pesch und unsere Begleiterinnen im Kleintransporter Karin und Maria, ebenso aus Kleinenbroich.         

Irgendwie waren alle etwas aufgeregt und es war jetzt gut, dass wir nach einem ersten Gebet in Richtung Glehn los radelten.

Der Wetterbericht vom Vortag hatte Besserung versprochen und er sollte Recht behalten.

Es war zwar etwas frisch, aber es regnete nicht und von Stunde zu Stunde und von Tag zu Tag wurde das Wetter besser.

Am ersten Tag fuhren wir bis Kommern.

Auf dem Weg dorthin haben wir immer wieder an Wegekreuzen gehalten, Gebete aus dem Pilgerbuch gesprochen, Marienlieder gesungen und innere Einkehr gehalten.

In Paffendorf wurde wird von der Familie Mörs mit einem reichhaltigen Frühstück auf das Herzlichste empfangen. Es ist ein sehr schönes Gefühl, wenn man von Menschen, die ich und die mich bis dahin nicht kannten, so herzlich und wie selbstverständlich zum Frühstück eingeladen wird. Die Fam. Mörs pilgert selber, und deshalb war es für sie selbstverständlich, uns zu beköstigen.
 
Ein Mittagessen haben wir uns dann gespart, da das Frühstück sehr reichhaltig war und wir unterwegs immer wieder von unserem Begleiterteam Maria und Karin mit Kuchen, Getränken, Obst u.s.w. bestens versorgt wurden.
   
Am frühen Abend trafen wir in Kommern ein und haben dort zunächst in einem Gästehaus die Zimmer bezogen.

Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem gemütlichen Gasthof haben wir uns dann zeitig zu Bett begeben, um neue Kräfte für den nächsten Tag zu sammeln.

Die Strecke bis Kommen, relativ eben, habe ich mit meiner 7-Gang-Schaltung neben meinen E-Bike-Freunden sehr gut bewältigen können.

Am zweiten Tag ging es, gestärkt durch ein gutes Frühstück – weiter zum nächsten Ziel nach Gerolstein.

Da ich ja Erst-Fahrradpilgerin war, wußte ich nicht, was die heutige Wegstrecke so an Hügeln und Steigungen mit sich brachte. Meine Mitpilger meinten dazu, dass das schon geht, und wenn es nicht mehr geht sollte ich halt absteigen.

„Das geht schon“ ging aber für mich nicht immer. Die Strecke nach Gerolstein war schon etwas anders, als die vom ersten Tag. So war z.B. die berühmt-berüchtigte Wallenthaler Höhe ein Abschnitt, bei dem ich schon das ein- oder andere Mal wieder zum Fußpilger wurde.

Hier waren die Elektroräder an den „netten“ Steigungen natürlich im Vorteil. Wenn ich dann absteigen musste oder mein inneres „Ich“ einfach nicht weiter wollte, haben „oben“ alle auf mich gewartet und mir nie das Gefühl gegeben, dass ich zu langsam sei. An manchen Steigungen hatte es sogar die eine oder andere E-Bikerin erwischt, so dass sie auch schieben mussten. Hierbei war ich dann wieder etwas im Vorteil, da die Elektrofahrräder ja insgesamt schwerer sind als normale Fahrräder. Auch gab es die ein oder andere sehr steile Abfahrt, die dann einfach aus Sicherheitsgründen zu Fuß bewältigt wurde. Aber immer hat jeder und jede auf den oder die andere geachtet und gewartet.                                                         
Zum Mittagessen haben wir im Örtchen Dahlem Station gemacht. Dort hatten Karin und Maria Tisch und Bänke auf dem Dorfplatz vor einem ehemaligen alten Schulgebäude aufgestellt und einen Mittagstisch vorbereitet. Auf wundersame Weise erwartete uns dort eine große Schüssel Kartoffelsalat mit Schnitzel und Fisch, alles vom Gasthof Kohlen aus Kleinenbroich zubereitet.

Das Essen war einfach lecker und hat uns für die nächsten Kilometer die nötige Energie mitgegeben. Von einem Bewohner, der in diesem Schulgebäude lebt, wurden wir begrüßt und er bot uns an, selbstverständlich die Toilette in seiner Wohnung nutzen zu dürfen. Würden wir das für Fremde auch machen?

Nach weiteren Strecken, durch Feld und Wald, durch Wiesen und kleineren Orten, erreichten wir am späten Nachmittag Gerolstein.

Die Jugendherberge, in der wir Quartier nahmen, liegt auf dem Berg über der Stadt Gerolstein. Da der Weg nach oben zur Jugendherberge sehr steil ist und die Räder ohnehin hätten geschoben werden müssen, hat Karin uns samt Räder mit ihrem Wagen hochgefahren.

Nachdem wird dort die Zimmer und auch die Betten bezogen hatten, haben wir uns noch mit restlichem Kuchen aus dem „Auto-Buffet“ und dem anschließenden Abendessen in der Jugendherberge gestärkt. Das Übernachten in den einfach eingerichteten Zimmern versetzte einen in die Jugendzeit zurück, als man bei Ferienfreizeiten mit 6 Personen in einem relativ kleinen Zimmer einschließlich Gepäck Platz gefunden hat. Wir waren mit je 2 Personen in einem 5-Bett-Zimmer untergebracht. Das war auch gut so, denn bei unserm üppigen Gepäck hätten 5 Personen den Raum wahrscheinlich nur noch schwebend durchqueren können.

Einen sehr schönen Abschluss fand der 2. Tag in der Büschkapelle in der Nähe der Jugendherberge. Ein Kleinod im Wald, das geradezu zur Ruhe und Besinnung einlädt. In Gebeten und Lieder haben wir dort in einer Andacht gemeinsam unseren Lebens- und Pilgerweg betrachtet und Gedanken und Impulse für die nächsten Tage mit auf den Weg genommen.           

Bei einem frischen Cocktail oder einem für die Region typischem Pils haben wir den Tag in der Jugendherberge beendet und sind alle nach einem „hügeligen und steilen“ Tag in die Betten gefallen.

Mein Rad hat auch diesen Tag gut überstanden, ich auch.


Geweckt durch fröhliches Vogelgezwitscher aus dem nahen Wald begannen wir den 3. Pilgertag.

Duschen, anziehen, Kofferpacken und noch die Betten abziehen, so wie es in der Jugendherberge üblich ist. Und das Gepäck zum Auto bringen.

Anschließend wurde noch gefrühstückt. Bis auf das etwas seltsam zubereitete Rührei (etwas blass und ohne!!! Muskatnuß) war das Essen in der Jugendherberge gut und reichhaltig. Immerhin kann man dort noch für kleines Geld übernachten und essen. Man hatte alles was man brauchte, ein Dach über dem Kopf, ein Bett, in dem man trotz einfacher Matratze sehr gut liegen konnte, und sogar Toilette und Dusche auf dem Zimmer. Wenn man bedenkt, dass viele Menschen auf unserer Erde nur ein dünnes Zelt oder gar kein Dach über dem Kopf haben, dann ist ein Jugendherbergsaufenthalt mit einfachem Standard dagegen Luxus. Nur an dem Rührei muss der Koch noch etwas arbeiten.

Gestärkt machten wir uns auf den Weg Richtung Trier, das Ziel, das mit jedem Tritt in die Pedalen näher rückte.

Ein traumhaft schöner Radweg führte uns bei ebenso schönem Sommerwetter durch das Kylltal. Da nur noch wenige Steigungen zu bewältigen waren, konnte man hier sogar beim Fahren „die Seele baumeln lassen“ und sich an der schönen Landschaft erfreuen.
            
Die Freude an diesen schönen Eindrücken vermischt sich bei mir mit der Vorfreude auf Trier, die bei mir, aber auch bei den anderen stündlich wuchs.

Von St. Thomas aus fuhren wir kurz vor Mittag eine kurze Strecke mit dem Zug bis Phillipsheim; die Zugfahrt deshalb, weil hier eine schwere Strecke mit einem Höhenunterschied von 110 m umfahren wurde.

Von dort aus fuhren wir bis Auw, um in einem sehr schönen Lokal das Mittagessen einzunehmen.

In Kordel trafen wird dann am Nachmittag auf die Fußpilgergruppe und allen war die Freude am gemeinsamen Wiedersehen anzumerken.

Diakon Messerschmidt hielt für uns alle eine feierliche Andacht in der dortigen Pfarrkirche und anschließend feierten die Fuß- und Radpilger noch ihre Jubilare und Erstpilger.   
         
Wir Radler aber mussten uns wieder auf den Weg machen, um Trier noch wie geplant vor dem Abend zu erreichen.

Bald fuhren wir den Moselradweg entlang, der zunächst über eine längere Strecke durch ein Gewerb-gebiet führte. Nun, da Sonntag war, war wenig Betrieb und wir konnten den Weg dort gefahrlos zurücklegen.

Auf einmal war sie zu sehen, ...die Mariensäule, von wo aus viele Fußpilger den ersten Blick auf ihr Ziel, die Matthias-Basilika mit ihrem mächtigen Turm, haben.

Das "Ankommen“ am Apostelgrab war für unsere Gruppe jedoch erst für den nächsten Morgen mit dem Einzug der Fußpilger geplant.

Und so fuhren wird dann vom Moselradweg noch über eine Brücke und ein Stückchen noch durch die belebte Innenstadt. Nun standen wir vor unserem Hotel „Deutscher Hof“ wo viele Pilgergruppen einkehren.

Mit einem guten Abendessen an einer nahezu festlich gedeckten Tafel, endete der Abend in geselliger Runde. Glücklich, dass alle gut angekommen waren, suchten wir dann zu später Abendstunde unsere Betten auf.         

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle wieder pünktlich am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Anschließend begaben wir uns - wieder mit den Rädern - auf den noch kurzen Weg zu unserem wichtigsten Ziel, der Basilika mit dem Grab des hl. Matthias, um dort gemeinsam mit den Fußpilgern einzuziehen.



Strahlender Sonnenschein ließ den Vorplatz der Basilika noch größer und heller und die Basilika selbst als imposantes Bauwerk erscheinen.

Erst wenige Besucher waren hier auf dem Platz und es herrschte eine sehr angenehme Ruhe, wobei Orgelmusik auf dem Platz zu hören war, da in der Basilika bereits der Ankunftsgottesdienst für die Pilger aus dem Nachbarort Büttgen stattfand.

Da wir bis zur Ankunft der Fußpilger noch etwas Zeit hatten, wurde erst noch obligatorisch das Pilgerlädchen aufgesucht, um das ein oder andere Andenken zu kaufen. Aber auch zahlreiche Kerzen wur-den erworben, um sie anschließend im Dom für die persönlichen Anliegen anzuzünden.

Nach und nach erschienen Begleiter der Fußpilgergruppe und kündeten von der baldigen Ankunft der Fußpilger. Zwischenzeitlich hatten sich auch einige Besucher aus Kleinenbroich eingefunden, die Mit-glieder der Rad- und der Fußpilgergruppe mit Ihrem Besuch überraschten.

Nachdem nun die Fußpilger auch ihr Ziel erreicht hatten, zogen wir mit Ihnen gemeinsam zum festli-chen Gottesdienst in die Basilika ein. Im Mittelpunkt standen natürlich auch die Jubilare und die Erst-pilger.

Manch einer war sicherlich den Tränen nahe, vor Erschöpfung, Glück oder auch aus Dankbarkeit. Ein jeder hatte so sicherlich sein persönliches Päckchen zu tragen und sich dafür auf den Weg zum hl. Apostel Matthias gemacht, um dort sein Anliegen vorzutragen und um Hilfe, Mut und Kraft zu bitten.
       
Nach dem Gottesdienst war die Anstrengung und Anspannung gewichen und es verbreitere sich Fröhlichkeit, es wurde sich gratuliert, geherzt und umarmt. Alle strahlten irgendwie mit der Sonne um die Wette. Von meiner Pilgerschwester Resi wurde mir dann ein kleines Pilgerkreuz überreicht. Darüber habe ich mich riesig gefreut und bei mir flossen dann auch die (Freuden)-Tränen.                            

Nach diesem offiziellen Teil fuhren wir zurück ins Hotel, die Fußpilger waren in einem anderen Quartier untergebracht.

Nun begaben wir uns in die naheliegende, quirlige Altstadt von Trier mit ihrer weitläufigen Fußgänger-zone und dem sonnigen Marktplatz, mit Brunnen, Blumen-, Obst- und Gemüseständen, Tauben, vielen Menschen, Sonne satt, zahlreichen Lokalen, Cafés, Eiscafés, und natürlich dem Dom, der Porta Nigra und den zahlreichen anderen Kirchen und historischen Gebäuden und Plätzen. Nach einem Mittagsim-biss, einigen Einkäufen, Dom- und Kirchenbesichtigungen wurde am Nachmittag im großen Eiscafé am Marktplatz wieder eine ausgiebige Verschnaufpause eingelegt. Das hochsommerliche Wetter lud auch geradezu zum Eisessen ein. Bei meiner Dombesichtigung habe ich nach langem Suchen auch wieder die Dommäuse gefunden, glaubte mir zwar nicht wirklich jemand, aber es gibt sie tatsächlich.

Am Abend haben wir dann in der Matthias – Basilika an der Lichterprozession teilgenommen. Nach einer andächtigen Feier, begleitet von wunderschöner Orgelmusik, beendeten wir im Hotel in geselliger Runde den schönen Tag in Trier.

Am Dienstag hieß es nun wieder alles packen, im Auto verstauen und nach dem Frühstück mit den Rädern zunächst zur Matthias-Basilika fahren. Dort feierten wir mit den Fußpilgern und anderen Pilgergruppen das Pilgeramt, was auch Abschied von St. Matthias nehmen bedeutete.

Nachdem wir uns von den Fußpilgern verabschiedet hatten, verließen wir den Platz von St. Matthias um bei Karin und Maria, die auf dem Parkplatz vor der Basilika standen, noch mal unsere Getränkefla-schen aufzufüllen.



Noch ein wehmütiger Blick zurück zur Basilika und dann ging es immer an der Mosel entlang in Richtung Lieser, wieder bei schönstem Sommerwetter und einer auch für mich leicht zu befahrenen Strecke, da es eigentlich ja immer nur bergab ging.

In der Nähe von Thörnich, auf einem Feldweg in einem flachen Weinhang war für uns wieder von Maria und Karin der Mittagstisch mit leckeren Kleinigkeiten – auch heute neumodisch „Fingerfood“ genannt, gedeckt; auf der nahen Straße Vorbeifahrende schauten neugierig und konnten annehmen, wir seien Winzer und Winzerinnen beim Mittagessen. Zur Stärkung gab es auch wieder einen Schluck Pilgerwasser, dass uns von lieben Menschen mit auf den Weg gegeben wurde.

Da es sehr heiß war, mussten wir am Nachmittag noch eine weitere Pause in einem kleinen Café einlegen und uns mit Kaffee und Kuchen stärken, wobei die Gruppe von der Jubilarin Marlene und der Erst-Radpilgerin zu diesem Schmaus eingeladen wurden.

In unserm nächsten Ziel, dem Ort Lieser, wohnt ja Roni, die – bis zu ihrem Renteneintritt - in Kleinenbroich gelebt hat und lange Jahre meine Arbeitskollegin war. Roni wusste zwar, dass eine neue Pilgerin bei der Gruppe war, aber Resi hatte Roni vorgeflunkert, dass sie sie nicht kennen würde.

Im Café wurde aus einem Schal noch ein Schleier gebastelt, den ich dann als „Überraschungsgast" tragen sollte, damit Roni mich nicht direkt erkennen würde. Fahrradhelm und Schleier, na das kann ja lustig werden, dachte ich mir, die anderen hatten jedenfalls ihren Spaß.

Kurz vor Lieser ließ ich mich dann ein Stück zurückfallen, damit ich als Überraschungsgast ein bisschen später ankommen sollte. Ich habe mir dann den Schleier übergezogen, wobei ich dann meine Gruppe aus den Augen verloren habe. Anstatt direkt in den Ort hineinzufahren, bin ich ein Stückchen weiter den Moselradweg gefahren und habe mich dann in Lieser erst mal orientieren müsse. Nach gefühlten 20 Minuten habe ich dann meine Truppe wiedergefunden, die schon ein Suchkomando aussenden wollten. Verschleiert wurde ich nun Roni vorgestellt, die mich jedoch so nicht erkannte. Erst als mir der Schleier abgenommen wurde, fiel Roni aus allen Wolken, denn mit mir hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Die Begrüßung fiel dann natürlich dementsprechend emotional aus.                                                                                                                                  
Nachdem wir im idyllisch gelegenen Gasthaus unsere Zimmer bezogen hatten, ging es danach mit Roni zum gemeinsamen Abendessen, wo wir uns viel zu erzählen hatten.
Nach einem reichhaltigen Frühstück am nächsten Tag hieß es auch schon wieder Abschied nehmen – von Roni und vom Ort Lieser.

Bei trockener Witterung fuhren wir recht gemütlich Richtung Zell, wo wir, überrascht von der ersten kurzen Regenschauer auf dieser Tour, zu Mittag aßen.

Bis zum Bahnhof in Bullay - unserer Endstation - war es jetzt nicht mehr weit. Dort warteten Maria und Karin mit dem Begleitfahrzeug schon auf uns. Nun hieß es erst einmal, zum Gepäck noch die Fahrrä-der in den Wagen zu verstauen, da 5 von uns von Bullay aus mit dem Zug weiter nach Hause fuhren.

Zu der leichten Hektik, die sich bei einer solchen Packaktion verbreitet, fing es zu alledem auch noch heftig an zu regnen. War das der Segen von oben für eine gute Heimreise?, oder hatten wir zu wenig gebetet ?, keine Ahnung. Aber Karin und Maria hatten alles im Griff. In einer logistischen Meisterleistung waren Gepäck und Räder im und am Auto dann endlich verstaut. Das Begleitfahrzeug mit Maria, Karin und Peter fuhr nun Richtung Heimat. Wir anderen 5 Pilgerinnen fuhren jetzt mit dem Zug zunächst bis Koblenz und von dort aus über Düsseldorf nach Kleinenbroich. In Kleinenbroich angekommen, warteten auch schon Karin, Maria und Peter auf uns. Nachdem wir beiden Pescher uns von den anderen verabschiedet hatten, brachten Karin und Peter uns beide nach Hause zurück – zurück in den Alltag.

Nun war ich wieder zu Hause, mein Rad hat gehalten und trotz der technischen Unterschiede habe ich die Tour geschafft. Die anderen Räder haben auch alle keine technischen Probleme gehabt, keinen Platten, keine Kette abgesprungen, die Akkus haben gehalten. Aber auch alle Teilnehmer haben die Tour ohne gesundheitliche Probleme bewältigt.

Die Tour war bestens organisiert, Dank an Resi, die immer wußte, wann und wo es lang geht. Dank an Peter, der immer hinten fuhr, und darauf geachtet hat, dass keine zurückblieb. Dank auch an alle anderen, die auf mich, die „Neupilgerin“ auf irgendeine Art und Weise aufgepaßt haben.

Dank an Karin und Maria, die uns bestens versorgt haben.

Ich habe neue Pilgerschwestern und einen neuen Pilgerbruder kennengelernt. Ich bin von der Gruppe herzlich aufgenommen worden und es war für mich eine tolle Erfahrung, auf diesem Wege nach Trier zu pilgern.

Die Erfahrungen aus diesen 7 Tagen sind für mich nachhaltig und werden meinen, und ich hoffe auch, den sog. Alltag meiner Mitpilger positiv beeinflussen.


Eure Pilgerschwester

Hannelore Thomas