Fußwallfahrt nach Trier 2010

Erstellt: Dienstag, 23. August 2011 21:09
Geschrieben von Marga Meuser
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Unter der Jahreslosung "Ich bin bei Dir" machten sich 58 Pilger am 13.05.2010 auf den Weg nach Trier.



Donnerstag, den 13.05.2010 Christi – Himmelfahrt
Wir sind dann auch mal weg!

Es wird wohl wieder eine der schönsten Woche im Jahr werden. Kein Mittelmeer, kein Atlantik, kein Cocktail am Pool, kein Sonnen-baden am Strand. Einfach abschalten, klare Luft atmen, die Natur bestaunen, die Seele in Balance bringen.
Für die Pausen und das gute Essen, für Kaffee und Kuchen, auch für die Übernachtungen ist gesorgt. Die Hänger sind beladen, die Helfer
Arno, Hansi, Peter und Hermann Josef sind fit.
Das Wetter nehmen wir so wie es kommt. Es wird uns auch nichts anderes übrig bleiben.

Der Herr behüte und begleite uns auf allen Wegen. Mehr kann er nicht tun. Jeder Tag, jeder Augenblick wird ein Geschenk sein, für das man danken soll. Nur beten und laufen müssen wir selber.

5.00 Uhr Hl. Messe
„Ich bin bei Dir“ unter dieser Losung machen sich 58 Pilger, darunter 6 Neupilger (Alexandra – Barbara – Rita – Christa - Frank – Heinz), nach der Messe, die Friedhelm mit uns, den Bus- und Radpilgern und viele Angehörigen und Freunden gehalten hat, voller Strapazen auf Pilgerreise nach Trier. Einige aus Neugier, Abenteuerlust, Frömmigkeit oder sie wollen den Glauben erwandern.
„Der Sinn des Pilgerns ist ans Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein!“ (Th. Heuss)

Heinz trägt das Kreuz. (eigentlich sollte es der jüngste Neupilger tragen) Unter Glockengeläut, noch etwas unkontroliert, machen wir uns auf zur Glehner Str. Nach dem Morgengebet machen wir uns auf im Pilgerschritt. Vorweg geht das heutige Pilgerkreuz. Das „Alte Kreuz“ wurde 1913 wegen des Gewichts durch ein leichteres Holz-kreuz ersetzt. Der Korpus ist viel älter. Wie es Tradition ist, geht’s durch Glehn, Aldenhoven bis zum Frühstück in Bedburdyck.

In Scherfhausen am Dorfkreuz, in Aldenhoven, wie auch in Bedburdyck werden die „Fünf Wunden“ gebetet. Bei den „Fünf Wunden“ wird für die Seelen der Verstorbenen des Ortes gebetet, an die sonst niemand mehr denkt.

Frühstück um 8.00 Uhr, wir sind in der Zeit. Jeder hat für sein Frühstück selber gesorgt. Der Kaffee duftet. Ein leckeres Frühstück sättigt nicht nur, es tröstet und hebt die Stimmung.
8.30 Uhr. Die letzten Angehörigen haben uns verlassen. Wir sammeln uns an der Oststr. Einige Informationen erhalten wir von Peter, den kennt ihr ja schon, er ist in diesem Jahr der Boss und gibt an den Ton.
Doch wird die Wallfahrt geleitet zu dritt,
Maria und Thomas die helfen noch mit.
Ganz wesentlich sind die Vorbeter.
Begleiter, da geht man hin wenn man Probleme hat.
Bevor es weiter geht, liest Peter noch den Spruch des Tages vor.

„Wirkliche Pilgerschaft ist keinesfalls nur Sache der Füße. Es ist zuallererst die Sache des Herzens“. (W. Schneller)

Hardy steuert den gelben Bus, Johannes verwaltet das Geld. Anette hat genügend Medikamente und Pflaster bei Bernd bestellt. Bernd mit seiner Tasche ist leider nicht dabei. Er gab mit seiner Anwesenheit den Pilgern etwas Sicherheit. Auch sind die Drei, Magnete mit offenem Ohr, für mancherlei Nöte, das kommt auch mal vor.
Hardy am Steuer, man kann es nicht glauben, dort sieht man die Welt mit anderen Augen. Der Platz vorne ist großzügig bemessen. Der Innenraum lichtdurchflutet, was dem Fahrer am Anfang irritiert. Dann beginnt der Tag mit einer ungeheuerlichen Erfahrung. Knapp 10 Minuten reichen für ein Erlebnis aus. Ein staunender Mitmensch bleibt an der Ampel auf gleicher Höhe stehen, und lehnt sich aus dem Fenster! Ein todschickes gelbes Auto fahren sie. Dieser Vor-gang wiederholt sich öfters und hinterlässt ein gutes Gefühl. Enge Kurven machen dem Bus etwas Mühe. Dabei kann von Trägheit keine Rede sein. Legt man den 1. Gang ein, kennt der Bus kein Halten mehr. In weniger als vier Sekunden schnellt das Tempo auf 80. Und wenn man dann noch den Fuß auf dem Pedal stehen lässt, merkt man an der schwingenden Haarpracht der Drei, wie der laue Maiwind zu einem wilden Orkan auffrischt. Auf Knopfdruck wird der Bus vom Gleiter zum Flighter. Wenn der Bus dann noch den bedauernswerten Autofahrern auf der Überholspur das formschöne Heck zeigt, wird der gelbe Bus für die nächsten acht Tage zum Hingucker. An gelegentliche Komplimente hat sich die Crew inzwischen gewöhnt.
Wenn die Füße nicht mehr wollen, oder die Glieder schmerzen, dann strandet so mancher, um sich für einige Minuten auszuruhen, im gelben Bus.

Nun sind wir unterwegs.

Der Weg wird wieder ein spannender sein. Wie für die Neupilger oder für einige Altpilger wird der diesjährige Pilgerweg eine wichtige Erfahrung sein. Ein Pilgerweg ist alles andere als unwichtig.
Mit Beten und Singen kommen wir um 10.15 Uhr an der ersten Trinkpause in Frimmersdorf an.

10.45 Uhr, Gerti trägt das Kreuz weiter an der Erft entlang.
Wir hören einen Text von Ulrike zur Losung „Ich bin bei Dir“
Weiter geht’s schweigend dann.

Wallfahrten sind nicht modern, sondern zeitlos „attraktiv“.
Wallfahrten zu einer Reliquie, Kirche, hl. Gräber wurden früher als Buße von der Kirche auferlegt. Freiwillig um Ablass zu erbitten, um ein Versprechen einzuhalten, von einer Krankheit geheilt zu werden oder aus anderen Gründen. Um die Hilfe Gottes oder die der Apostel zu erbitten. Auch die vielen Verehrungen von Maria, die vielen geweihten Kirchen am Wege, alte Pilgerkreuze, und in den letzten Jahren ist die Jakobsmuschel wieder an unserem Pilgerweg zu sehen. Dies alles sind Symbole für Geschichte und Gegenwart. Geschichten von Wallfahrten und Legenden könnten viele Bücher füllen.

Pilger und Pilgerweg heute
Wandernde Pilger oder pilgernde Wanderer ohne rechte Glaub-würdigkeit sind so alt wie die Pilgerwege. Die gab es früher und die gibt es heute. Ob die Literaten zu Tatsachen und Geschichte, Mythen und Wahrheit oder Legende Mirakelgeschichte ist, wer kann das beurteilen. Dennoch bestimmt das Ziel den Weg und das Erleben unterwegs. Letztlich bestimmt die beschwerliche, wunderbare Wall-fahrt, dass der Weg das Ziel ist.
Pünktlich um 11.50 Uhr, nach dem Engel des Herrn, kommen wir in Bedburg an.
Nach dem Mittagessen, der Weg ist neu, links geht’s an der Erft vorbei bis wir auf unseren alten Pilgerweg kommen. Wir sind gut in der Zeit, mit den Getränken stehen unsere Helfer jetzt hinter dem Schloss Paffendorf bereit. Ein Stück Straße noch, dann sind wir schon in Thorr bei Familie Valder. Hier gibt’s wieder reichlich Bienenstich von Hedi Kreutz. „Danke“
15.30 Uhr geht’s weiter. Der Weg ist nicht ganz neu, den gingen schon früher die Pilger bis Heppenheim.
Zur Losung: Peter B.
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

17.30 Uhr, Blatzheim ist in Sicht.
Ein Abendgebet sprechen noch wir,
das war der erste Tag auf dem Wege nach Trier.



Freitag, den 14.05.2010

Gute Menschen strahlen Freude aus,
und wachsen froh ihrem Gott entgegen.

5.45 Uhr geht’s von Blatzheim fort. Der Morgen ist trist und wol-kenverhangen. Bei leichtem Nieseln setzen wir unseren Pilgerweg betend fort.

Pilger sind besondere Spezies.
Man sieht sie manchmal (beim gemeinsamen Beten) geschlossen gehen wie bei einer Parade, dann sieht es so aus, als wäre man in Gruppen eingeteilt. Jeder Pilger hat seinen eigenen Schritt. Das wichtigste für alle sind gründlich erprobte Schuhe. Wobei der kluge Pilger um seine zarten Füße weiß, und niemals ohne Vorrat an Pflaster verschiedener Größe auf Pilgerschaft geht. Der echte Pilger hat das nicht nötig. Dessen Schuhwerk ist so eingelaufen, dass es weder drücken noch reiben kann. Er hat trotzdem eine Auswahl an Pflaster in seinem Gepäck. (für alle Fälle)
Gleich danach kommt das Wetter.
Den passionierten Pilger erkennt man sofort, er führt immer, wenn er es auch nicht zugibt, regenfeste Kleidung mit sich.
Die Wolkendecke schob sich auseinander, der kalte Wind ist unangenehm. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig als weiterzugehen.

8.20 Uhr, Pause in Gladbach bei Fam. Briem. Wir kommen zeitig an.
8.50 Uhr geht’s weiter bis wir sind um 10.20 Uhr bei Bauer Berg dann. Die Bänke sind aufgebaut, Getränke stehen bereit. Der Ablauf ist wie im Märchen bei Hase und Igel. Wenn wir ankommen sind die Helfer immer schon da.

Zur Losung: Rita
In der Stillung von Hunger und Durst nehmen wir Gott wahr, der uns alles schenkt. Was dem Körper gut tut, stärkt auch die Seele.

An der Marienkapelle in Merzenich hinterm See beten wir für unsere lebenden und verstorbenen Angehörigen und Freunde bevor es weitergeht. Von weitem kann man schon die Korschenbroicher Pilger sehn, die sind viel zu früh. Kurze nette Begrüßung, ein gemeinsames Lied, dann jeder wieder in seine Richtung zieht. Für uns geht’s jetzt hoch zum Irnischer Berg. An der Stele, die seit 2007 hier steht, eine kleine Rast bevor es zur Zehntscheune geht. Weiter geht’s um 13.00 Uhr. Ein kalter Wind begleitet uns zur Marienkapelle.
Ein bunter Blumenteppich leuchtet uns entgegen, die Luft riecht nach feuchter Erde. Den Blumenteppich gestalten die Kommunion-kinder aus dem Ort mit den Katecheten für den Himmelfahrtstag. Leo ärgert mich heute wieder. So kleine Schritte wie du kann ja kein Mensch machen. Wenn es aber auf die Menge der Schritte ankäme, dann hätte Leo mit seinen langen Beinen und großen Füßen ein Problem. Wir könnten nicht gleichzeitig ankommen, weil ich schon einmal da war.

Zur Losung: Maria
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil.

Kurze Pause in Hostel. Mit Singen bewältigen wir die lange Straße bis Schützendorf. Der Weg scheint heute kein Ende zu nehmen, ein steiniger Pfad. Der Raps strahlt über die Felder. So sieht der Früh-ling aus. Die gelb blühenden Pflanzen sind wie Sonnenstrahlen, die aus der Erde kriechen. Wenn nur die Kälte nicht wäre. Unser näch-ster Halt ist in Kall, wo wir um 16.10 Uhr kommen an. Trotz des kalten Wetters, Anette hat viel zu tun. „Das Geschäft blüht“. Urft Jugendwaldheim, unser Ziel für heute erreichen wir um 17.30 Uhr.

Die Fronten sind geklärt. Keine rote Linie, keine Absperrung, trotz-dem ist die Grenze da. Die Männer unten, die Frauen oben. Auf unserer Pilgertour schlafen immer Männer und Frauen getrennt.
Zwar gehören Frauen und Männer zusammen, suchen und finden sich meist, doch richtig verstehen tut man sich doch nur unter seinesgleichen. Mal ehrlich, die Männer verstehen sich sowieso am Besten. Sie denken einfach, unkompliziert und immer geradeaus so wie die Männer eben sind. (meinen Die)
Bevor der Abend endet, ein kleiner Disput mit Dr. Grotenrath und Patientin Gerti. Eine Gerichtsverhandlung wird auf den 16.05.10 nachmittags verlegt. Noch lange liegt man vor Müdigkeit wach,
doch um 4.00 Uhr ist vorbei die Nacht.



Samstag, den 15.05.10

„Sei dir bewusst wer du bist und verleugne dich nicht.
Ganz egal wie lange der Baumstamm im Wasser liegt,
er wird nie ein Krokodil werden“.

6.00 Uhr hl. Messe im Hermann – Josef – Haus.
7.00 Uhr geht’s weiter durch das Küchenschellental, der Weg ist neu. Mit Gebet und Gesang sind wir um 7.30 Uhr am See dann. Jetzt ein steiles Stück Weg, von weitem sieht man die Helfer an der B 258 stehn.

Zur Losung: Peter Br.
„Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher“.
In Schmidtheim nach dem 2. Frühstück, werden die Neupilger und die Jubilare, mit einem Kräuterlikör beschert.
In Feusdorf gibt’s heute ein leckeres Mahl, gestiftet von der Fam. Kohlen, wir danken allemal.
13.30 Uhr geht’s weiter im Sonnenschein und leichtem Wind.
Den Wind im Haar, die Natur im Blick,
Hormone im Blut: pilgern ist das pure Glück.
Wir sind unterwegs mit vielen Gebetsaufträgen, guten Wünschen und Glück.
Natürlich gehört Glück dazu. Glück mit dem Wetter, das sich wieder einmal sommerlich und pilgerfreundlich präsentiert.
Glück, das alle Pilger gesund bleiben,
Glück, das alle Pilger sich an die Regeln halten,
Glück, das die Pilger gegenseitig auf sich achten, besonders auf die Neupilger ein Auge haben.
Glück, das alle gemeinsam ans Ziel kommen,
Glück, das alle den anstrengenden Weg gemeistert haben.

Ein Sprichwort sagt: Das Glück ist mit den Tüchtigen.
Kreuz voraus, zwei und zwei geht’s bis Auel die Straße entlang.
Um 15.50 Uhr treffen wir bei Fam. Bartels ein, der Tisch ist gedeckt mit Kuchen fein, so soll’s auch auf einer Pilgertour sein.
Voller Tatendrang geht’s weiter dann. An der Marienkapelle im Feld bleiben wir für einen Text zur Losung von Jutta stehn.

„Du bist bei mir“ Ich kann ruhig werden, wie ein kleines Kind bei seiner Mutter.

Damit der Weg bis zur Matthiaskapelle nicht zu lang wird, fangen wir gleich mit dem Beten an.
Tradition auf dem Weg nach Trier ist, an der Matthiaskapelle beten die Neupilger die „Fünf Wunden“. Bis nach Oos werden die Pilger heute gefahren. Der Bus und der Transporter überzeugen durch ein immenses Platzangebot. Nach dem Danken der Pilger, für den schönen Tag, für alle Pilger die heute unterwegs sind, für den Brudermeister, für die neuen Wege, das es uns so gut geht, endet der Tag um 18.00 Uhr wie immer bei Gulasch und Nudeln.



Sonntag, den 16.05.2010

Gutes tun in einer fröhlichen Runde macht einfach mehr Spaß.

Heute ist ein besonderer Tag. Sabine hat Geburtstag.
6.15 Uhr. Mit einem besorgten Blick zum Himmel beginnt nach dem Morgengebet unser heutiger Pilgertag.
„Mai“ Pilgerzeit, Leben unter freiem Himmel. Es ist wie ein Wunder, wenn es die Pilger selbst unter großen Temperaturschwankungen ohne Probleme aushalten.
8.20 Uhr. Wir kommen in Weißenseifen an. Das zweite Frühstück mit dem beliebten Pfefferminztee steht an. Beim Aufbruch 8.55 Uhr kommt Leben in die Pilgerschar, Maria und Friedhelm sind da.
Am Pöllke bekommen wir den Segen vom Brudermeister Peter wie immer hier, und Peter Grotenrath erklärt noch mal wie die Quelle gefunden wurde.

Zur Losung: Colette
Die verlorenen Tiere will ich suchen, ich will ihr Hirte sein und für sie sorgen.

10.20 Uhr Gottesdienst in Neuheilenbach. Im Vorfeld wurde sie von Friedhelm, Maria, Birgit, Franz Josef, Hemma und Hubertus vorbe-reitet. Auch waren wieder viele Bewohner zu unserem Wortgottes-dienst gekommen. Eine Trinkpause gab’s danach, Verabschiedung und ein Dankeschön für Friedhelm, dass er wegen des Gottesdien-stes extra gekommen war. Die Sonne versteckt sich heute nicht. Der Wind bläst stark und wir sind froh das Eisenmännchen zu erreichen.

Zur Losung: Lisa
Eine Wallfahrt berührt uns auf vielfältige Weise. Das Miteinan-
der, das Gehen, das Beten, die Stille, alles gehört zusammen.
Gott ist mit uns auf dem Weg.

Immer in unserer Nähe der gelbe Bus. Würde man ihn kulinarisch bewerten, er würde die Stufe „gut bürgerlich“ erhalten.
13.00 Uhr Mohrweiler unser neues Domizil.
Erbsensuppe bekommen wir Pilger dann,
eine Runde von den Neupilgern schließt sich an.
Ein Bus uns um 14.30 Uhr nach Daufenbach bringt. Der Rhythmus des Motors bringt die Pilger in einen Dämmerzustand, der sie in den Schlaf wiegt. Beim Aussteigen dann einige Probleme haben. Peter hält seine Schafe mit Beten in Trab. Dann wird Pause gemacht am Sportplatz, unter freiem Himmel. Die Verhandlung von
Dr. Grotenrath und Gerti nahm ihren Lauf.
„Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“.
Gerti zeigte sich „Reuig“.

16.40 Uhr. In Kordel wird in die Kirche eingekehrt. Hier werden die Neupilger: Alexandra – Barbara – Rita – Christa – Frank – Heinz aufgenommen, und die Jubilare 10mal Gisela und Andreas, 20mal Arno, 25mal Christel und Franz Josef, 30mal Anette geehrt.
Ein Dankgebet Peter mit den Neupilgern und Jubilaren spricht,
ein Lied gemeinsam noch singen alle hier,
so ist es sonntags auf dem Wege nach Trier.

17.30 Uhr. Angekommen auf Burg Ramstein. Im idyllischen Kylltal auf einer Anhöhe liegt die Burgruine Ramstein von herrlichen Wäldern umgeben. Die untergehende Sonne taucht die Umgebung in ein goldenes Licht. Bevor Johannes die Lagerstätten kundtut, stehen wir da wie eine Horde von Ritter, Knechte, Edelleute, Frauen und Mägde, wie Pilger.
In Zelten muss niemand mehr schlafen.
17 Personen schlafen in der Burg, 26 bei Weis, 15 müssen nach Kordel hinab.
Für die Neupilger hört sich Burg Ramstein ganz glanzvoll an. Und kommt man erschöpft an, kein Schloss, nicht verspielt, nicht kitschig, kein vergoldeter Stuck an Wänden und Decken. Auch keine verschnörkelte Säule. Ganz normale Begrüßung. Der Butler hat Aus-gang. Und so schleppt jeder seine Tasche alleine über die alte Holz-treppe in sein Zimmer. Nach einem Bad (Dusche) gibt es ein defti-ges Essen, dazu wird der Durst gelöscht. Danach kann das „mittel-alterliche Phantasie – Spektakelum“ beginnen. Es gibt viel zu erzäh-len, über Intrigen, Tragödien, ausschweifende Feste, vergangene Wallfahrten. Die abendliche Stimmung beflügelt die Pilger. Es wird noch lange erzählt, Witze gemacht, Kerze ausgepustet und bis zum Morgen gelacht.



Montag, den 17.05.2010

„Sei gut zu dir selbst, achte auf das was deine Seele braucht, und lebe jeden Tag, als sei es ein Geschenk“

5.45 Uhr. Der Tau hat den Boden feucht gemacht. Die frühe Mor-gensonne hat sich über den Bäumen ausgebreitet.
Es ist kalt.
Inzwischen haben sich alle Pilger eingefunden. Die Helfer haben heute morgen viel zu tun. Die Gepäckstücke müssen für die, die nach Hause fahren, sortiert werden, dazu dient der grüne Punkt.
Mit dem Rosenkranzgebet geht es erst einmal bergab, um später wieder hoch zu gehen. Vorbei an faltigen Felsen, ein eindrucksvoller Abschnitt, ein großzügiger Weg schlängelt sich durch den Wald. Der Naturboden löst den Asphaltboden ab.
Angekommen am Eifelkreuz. Um uns nur Bäume und Stille. Ein Ereignis das andere ablöst. Man kann nicht mehr als zu sich selbst finden. Die Einfachheit der Natur spiegelt sich im Menschen wider. Franz Josef hat wieder einiges zur diesjährigen Losung „Ich bin bei dir“ notiert und uns vorgetragen. Schweigend geht’s weiter. Die wenigen Sonnenstrahlen haben sich versteckt.
7.00 Uhr, wir sind an der Schneidersmühle. Der folgende Weg hat einen alpinen Charakter. Schweißtreibend erreichen wir das Schusterkreuz.
Um 9.00 Uhr müssen wir an der Mariensäule sein. Bevor wir die letzten Meter bewältigen, ordnen wir uns noch hier. Eine tolle Gemeinschaft sind wir. Die Neupilger nach vorne, sie beten jetzt vor. Der Weg ist steil, wir gehen langsam Schritt für Schritt, das alle kommen mit.
Empfangen werden wir von den Buspilgern und einigen Bekannten wieder hier, so ist es montags auf dem Weg nach Trier.
Über die Moselbrücke (Konrad – Adenauer - Brücke) noch,
„Heiliger Matthias zu dir kommen wir“.
Nicht nur beim Essen, sondern auch beim Pilgern gehören Leib und Seele zusammen. Essen und Trinken haben auf einer Wallfahrt etwas Spirituelles. Äußeres und Inneres kann man bei einem Pilger-weg nicht trennen. Die Wechselwirkung ist sichtbar, man ist plötz-lich neugierig auf sich selbst. Es ist eine Erfahrung und die ist jedes Jahr neu. Dann sind wir auf dem Abteihof angekommen. Fragend, schweigend, bangend, glücklich, schuldig, endlich! Kein Kitsch, so ist das Leben. Während bei der Ankunft der Atem stockt und sich die Muskeln verspannen, ist nach wenigen Minuten, nach dem
Ankommen, alles wieder normal. Das Herz schlägt schneller,
verspannte Muskeln werden locker, man lacht und scherzt und freut sich. Das Zwerchfell hüpft. Die Freude überwiegt. Das Herz wird wieder aktiviert und das Immunsystem bringt den Organismus auf Touren. Die Radpilger sind schon da um uns zu begrüßen. Dazu kommen auch schon die Gladbacher Pilger. Alle werden von Pater Hubert begrüßt. Dann ziehen alle zusammen unter Glockengeläut mit „Großer Gott wir loben dich“ ein. Die Musik ist am ganzen Körper zu spüren. Vertraut fühlt es sich an, stärkend, belebend.
Jetzt ist es wieder da, das Gefühl, dass irgendetwas mit einem auf einer Wallfahrt geschieht.
Vor der Messe werden die Jubilare geehrt, Gisela, Andreas, Christel, Franz Josef. Die Neupilger bekommen ihre Erstpilgerplakette überreicht. Nach der Messe, alle haben sich auf dem Abteihof versammelt. Wo viele Menschen zusammen stehn, entsteht eine Gemeinschaft.
Für Einige ist es das Tagesziel, für Andere das Endziel. Sie fahren heute noch nach Haus. Ein Foto noch, Verabschiedung im Kreis. Die Anderen haben ihr Quartier bei Schütz. Der lange Marsch hinterlässt Spuren. Es ist gut, obwohl es anstrengend ist. Selbst eine Liege wird heute zum Himmelbett.



Dienstag, den 18.05.2010

Auch Blumen haben Probleme – aber sie jammern nicht –
und blühen doch.

7.00 Uhr. Das Wetter weiß noch nicht was es will. Langsam wird’s heller. Die Wolkendecke hat sich etwas auseinander geschoben.
9.00 Uhr. Pilgermesse und Verabschiedung durch Pater Hubert.
„Heiliger Matthias von dir scheiden wir“
Maria und Thomas sind schon nach Haus,
Peter sucht sich für heute Christel und Gisela als Brudermeister aus.
11.00 Uhr wir sind mitten in Trier.

11.30 Uhr in Paulin.
Der 18.5. ist der Todestag der Schwester Blandine Mertens.
In der Kapelle wird uns von Schwester Christine etwas über Blandine erzählt. Den Namen Engel hatte sie schon in der Schulzeit erhalten,
geboren 10.07.1883, auf den Namen Maria Magdalena getauft.
Schulzeit, Studium, 1902 Prüfung für das Lehramt.
Mit 25 Jahren trat sie den Ursulinern bei.
04.11.1913 legte sie das ewige Gelübde ab.
Im Herbst 1916 erkrankte sie. Am 18.05.1918 starb sie.
Sie wurde zur Fürsprecherin bei Gott.
1954 befasste man sich mit dem Leben der Blandine. Am 10.07.1962 wurden Untersuchungen in Rom durchgeführt. Seligsprechung am 01.11.1987 in Rom.

13.10 Uhr. Wir kommen in Ruwer bei Fam. Thiel an,
Sauerkraut, Schokoladenpudding gibt es immer dort,
das weiß doch jedermann.
15.00 Uhr geht’s mit dem Bus fort, der bringt uns bis Piesport. Die Radpilger treffen wir hier, auch sie sind auf dem Rückweg von Trier. Durch die Weinberge wir jetzt gehen, von oben herab auf die Mosel zu sehn ist wunderschön. Die Marienkapelle steht oben in ihrer Pracht. Hier werden die gebastelten Kreuze und die Kerzen dargebracht.

Klausen liegt unten im Tal. Die Glocken künden unser Kommen an. Franz Josef trägt das Kreuz. Wenn man das Kreuz trägt, wächst der Weg unter den Füßen wie durch ein Wunder.
18.00 Uhr. Wir ziehen in die Kirche ein. Nach der Messe wird Arno für 20 Jahre noch geehrt. Johannes noch die Zimmer verteilt und acht Frauen zu Frau Antz bringt, dann für alle der Abend in „Maria Rast“ ausklingt.



Mittwoch, den 19.05.2010

Zu dieser Morgenstunde begegnet sich das Helle des Morgens und das Dunkel der Nacht.

6.45 Uhr. Mit dem Morgengebet ziehen wir von Klausen fort. Heute sind Mark und Ulrike als Brudermeister an Peters Seite. Einige haben immer noch mit Blasen zu kämpfen. Fiese Schmerzen beim Weitergehen. Man muss sich bei jedem Schritt überlegen wie man die Füße setzt. Welche Blasen man belastet und welche nicht. Der erste Schmerz beherrscht alles, wenn man aber wieder eingelaufen ist, witzelt man schon wieder. Es ist gut, wenn man weiß jemanden an der Seite zu haben, der einem zuhört und der weiß was Schmer-zen sind. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Das Kreuz des Anderen mittragen. Kopf hoch, auch wenn der Hals noch so dreckig ist.
Sonnenschein begleitet uns, wir kommen gut voran. An der Kapelle der schwarzen Muttergottes machen wir für die Losung halt.

Zur Losung: Wolfgang
„Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“.

Schweigend gehen wir weiter bis wir kommen bei Bauer Drautzburg an.
Die Pilger sind für jede Überraschung gut,
man Frau und Herr Drautzburg zur Goldhochzeit gratulieren tut.
Fürs Frühstück ist der Tisch wie immer reichlich gedeckt, auch die Würstchen sind schon bald weg. Es geht weiter um 9.40 Uhr, der Morgen wird noch hart. Es geht durch den Wald, vorbei an der Stelle, wo im letzten Jahr Hansi und Arno in tiefer Bedrängnis waren. Dann ist auch schon der Bußberg da. Die Neupilger nehmen einen Stein, in Größe ihrer Buße und werfen ihn symbolisch, wenn sie oben betend ankommen, fort. Doris ist im Bus und beauftragt mich für sie einen Stein mitzunehmen. Auch andere Pilger nahmen einen kleinen Stein für Doris mit. Viele Kleine ergeben ein Großes.
12.35 Uhr. In Hasborn erwartet uns heute ein neuer Wirt. Es wird uns auch ein gutes Essen serviert.
14.10 Uhr. Mit dem Bus geht’s weiter dann, bis Mehren wo wir in die Kirche einkehren. Gebetet werden die „Fünf Wunden“ von Peter, Mark und Ulrike hier, das war schon immer so auf dem Rückweg von Trier.
15.20 Uhr machen wir Halt im Darscheider Wald.
Gedenklieder werden gesungen und Späße gemacht. Die Wolken-decke zog sich zusammen, und der erste richtige Regen ließ nicht lange auf sich warten. Gut gewappnet auf einer Pilgertour haben Wind und schlechtes Wetter keine Chance. In jedem Sonnenstrahl und jedem Regentropfen ist die Schöpfung Gottes zu erkennen.
Denken wir daran wenn wir jetzt im Regen weitergehen.
Nach der Messe, um 19.30 Uhr in der Alfbachquelle ein letztes gemeinsames Abendessen.



Donnerstag, den 20.05.2010

Gott ist mit uns unterwegs. Wir dürfen sagen: „Du bist bei mir“.

7.45 Uhr. Nach dem Morgengebet unsere letzte Etappe beginnt. Als Brudermeister hat Peter heute Karl – Heinz und Andreas bestimmt.
Das Wetter lässt zu wünschen übrig. Kalter Wind weht uns
entgegen. Die Straße ist lang. Mit Beten meistern wir auch diese dann. Das Afelskreuz ist in Sicht.

Mark zur Losung spricht:
Jesus sagte: Ich bin die Tür zu den Schafen… Wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Wir kommen weiter gut voran und treffen im Pilz bei Kelberg zeitig ein. Die letzten Reste sind aufgegessen, Wander – und Abschieds-lieder sind verklungen. Wir machen uns auf, nur noch am Nürburg-ring vorbei.
Ach, o Schreck, vier Schäfchen haben wir verloren, das kann doch nicht sein. Ein Anruf, wir sind auf dem Weg, und man sieht Gerti wie sie schon um die Ecke fegt. Sie hatte in den Büschen beim ??? ihre Brille im Gras verlegt.

Zur Losung: Peter
Was ein guter Hirte ist, er wartet bis er alle wieder zusammen hat.

In Adenau, in der Matthiaskapelle noch ein letztes Gebet, bevor es mit dem gelben Bus, Karl Tappen und Max Neumann, die extra nach Adenau gekommen sind, nach Hause geht.
16.00 Uhr. Wir sind in Glehn,
17.00 Uhr wir betend nach Kleinenbroich geh'n.
Vorweg die Helfer mit uns eins im Pilgerschritt. An der Glehner Str. werden wir von Friedhelm und einigen Messdienern empfangen. Alle ziehen singend zur Kirche mit.
Ein Willkommen von Friedhelm, Peter ergreift das Wort,
zum Danken ist hier der richtige Ort.
Mit Applaus bedanken wir Pilger uns bei Peter dann,
Hubertus schließt sich mit „Danke“ sagen an.

Draußen ein letztes Lied, ein letztes Abschiednehmen.
Für viele Pilger ist es schon klar, wir sehen uns wieder im nächsten Jahr.

Ob Jerusalem, Rom, Santiago, für uns war es wieder die Wallfahrt nach Trier.

Pilgern als Abenteuer. Ich – Findung, Gebete, Buße.
Die Motive waren vielfältig wie die Pilger selbst. Jeder, der sich auf die mühsame Reise macht, kehrt verändert zurück und ist um eine Erfahrung reicher. Jeder, der es geschafft hat, kann sich der Hochachtung und des Respekts seiner Mitmenschen sicher sein.
Jesus selbst war auch sein ganzes Leben immer auf dem Weg. Dann sandte er seine Jünger als Anhänger des neuen Weges.
Der Weg ist das Ziel.
Das Ziel ist der Weg.
Hier kommt alles zusammen, denn Jesus selbst ist der Weg.

Kalter Wind und Sonnenschein, ein reibungsloser Ablauf und gute Laune. Acht Tage folgten wir Peter unserem Brudermeister unter der Losung:

„Ich bin bei Dir“

kurz: eine Wallfahrt nach Maß.