Fußwallfahrt nach Trier 2014

Erstellt: Montag, 21. Juli 2014 08:04
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Eine Wallfahrt ist ein Zeichen des Glaubens, was viele Menschen bis heute bewegt. Eine Wallfahrt versteht es den Pilger für lange Zeit zu faszinieren. Eine Wallfahrt gibt Kraft für den Alltag, denn seit Jahrhunderten geben die Gläubigen ihre Erfahrung weiter.

Es ist Johannes und meine 20. Wallfahrt. Mein Adrealinspiegel erreichtbeim Abgehen und Ankommen jedesmal eine neue Rekordmarke.

 

Donnerstag, den 29.05.14, Christi – Himmelfahrt

4:30 Uhr, die Nacht geht zur Neige, der Morgen kommt vorbei, von überall kommen eilend die Pilger herbei.

5:00 Uhr, Pilgermesse mit Pastor Zimmermann, Friedhelm und Jakob als Messdiener. Verabschiedung und Reisesegen draußen am Stein.

6.10 Uhr, Leicht weht unsere Fahne (Peter) beim feierlichen Glockenklang und auf oft gepilgerten Wegen beginnt der Pilgerzug, unter Gottes Segen seinen Gang. Kurzer Stopp an der Glehner Str. für ein Gebet. Im lauten Choral tönt es durch Glehn, wenn wir singend frühmorgens durch den Ort ziehn. In Aldenhoven werden die fünf Wunden gebetet allemal, wie auch in Bedburdyck, dort kommen wir um 8.10 Uhr an. Im Pfarrsaal gibts Kaffee und Tee, und ein paar mahnende Worte vom Brudermeister Peter, wie es auf der Wallfahrt zugeht.

Ist das Namensschild einmal am Mann, geht es auch schon betend voran. Und wenn dann der heilige Christopherus noch mit uns geht, kann uns gar nichts passieren. Die Einen vertrauen auf seinen Schutz, die Anderen denken: “Es kann ja nicht schaden”.

Stürmender Regen, kalter Wind, brennende Sonne, Schweiß auf der Stirn und Blasen an den Füßen, so quälten wir uns letztes Jahr. Vom Wetter hatte man etwas anderes erwartet als ein rapsgelber angestricherner Winter. Machen wir uns auf den Weg, egal was kommen mag, wir sind gut gerüstet.

Mit dabei unsere Begleiter: Hansi, Arno, Hemma, Peter G., Christiane, Anette und Johannes. Zur Hilfe sind sie immer für uns da. Ein guter Rat zur rechten Zeit, kann dann und wann ganz wichtig sein.

Gebete und Meditationen sind vom Brudermeister gut vorbereitet. Das Weitere ist bekannt. Beten, Singen und Schweigen prägen unseren Weg. Gespräche und gemeinsames Lachen läßt die Gemeinschaft schnell zusammen wachsen.

“Auf dem Weg des Friedens” heißt unsere Losung.

Wir sind unterwegs, 57 Pilger darunter 4 Neupilger. Claudia Kolvenbach, Norbert Günter, Marcel Heimanns, und Thomas Wintzen, die sich voller Neugier, Spannung, die Erwartung mit dem Reiz sich dem Neuen zu stellen.

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und den Sprung ins kalte Wasser wagen wir nur ungern. Und sich in Hände zu begeben, die einem das Schöne vom Himmel lügen. Wenn man hört und liest “die Seele baumeln lassen”! denkt man schon:”wie soll das gehen?”.

Aber zu Beginn der Wallfahrt spürt man als Neupilger einen wunderbaren Zauber, ein unbekanntes, gemischtes Gefühl, etwas Neues ganz frisch erleben zu dürfen. Zugleich ist die Energie da, die Ungeduld, das Brennen darauf, dass es endlich losgeht. Die ersten Schritte sind noch etwas unsicher, man merkt aber schnell, dass die neue Situation voller Überraschung steckt und spannend werden wird in unserer Pilgerwoche. In jedem Neuen steckt auch ein Abenteuer.

10:20 Uhr, Trinkpause in Frimmersdorf. Zur Losung liest Colette etwas vor. In Stille geht es weiter. Im Zustand des Schweigens findet die Seele ihren Weg in einem klaren Blick. Frimmersdorf haben wir hinter uns gelassen, um 12:00 Uhr heißt es in Bedburg Essen fassen. Für eine kleine Ruhepause haben wir noch etwas Zeit, denn der Weg bis Trier ist noch weit.

Wenn man zum erstenmal dabei ist, ist es etwas befremdlich so in der Öffentlichkeit zu beten oder zu singen. So manche Etappe ist beschwerlich, da kann so ein Rosenkranzgebet wegen der Eintönigkeit helfen, bis zum nächsten Stopp. Man würde auch ohne Gebet ankommen, aber ein Rosenkranzgebet oder geistliche und weltliche Lieder sind echte Zeitverkürzer. Im schönsten Sonnen-schein kehren wir um 15.00 Uhr bei Familie Valder in Thorr ein. (Kaffeepause)

Zur Losung liest Petra. 10 Minuten Schweigen, in Stille weitergehen, Wichtiges hintenan stellen, Gedanken schweifen lassen, den Tag vor sich sehn, jeden Atemzug spüren, den Augenblick genießen. Die Seele braucht Ruhe um zu ihrer vollen Größe zu gelangen.

16:15 Uhr, Heppendorf ist unser nächster Halt. Ab hier müssen alle in die Autos dann, weil eine Straße nicht mehr vorhanden war.

17:40 Uhr Blatzheim ist auch schon bald in Sicht, man das Abendgebet zusammem noch spricht, für die Nacht hatte jeder ein schönes Bett in Aussicht.

Zu Fuß eine Strecke von etwa 50 Km am Tag zu gehen ist eine Herausforderung für Muskeln, Gelenke und Füße. Auf ein gutes Schuhwerk kommt es an. Eine neue Welle aus Amerika: “der Barfußschuh, ein Handschuh für die Füße”. In Ihm finden die einzelnen Zehen ihren Platz. Ein völlig neues Laufgefühl. Sie haben eine dünne Sohle die dämpft, aber vor Verletzungen schützt. Unser Fuß ist ein hochkompliziertes Gebilde und geschaffen dafür auf ihm zu laufen. Experten aber warnen davor, die guten alten Pilgerschuhe an den Nagel zu hängen. Was Füße alles können:

"Das Lebensgewicht aufrecht halten – Tag für Tag – gehen, laufen, tanzen, springen, stehen bleiben. Stehen bleiben um nachzudenken, stehen bleiben um sich zu orientieren, stehen bleiben um die Richtung zu wechseln. Für mich einstehen, obwohl ich lieber weglaufen möchte, für mich einstehen damit ich dann im Aufatmen wieder gehen, laufen, tanzen und springen kann." Auszug von Petra Heilig    


Freitag, 30.05.2014, Blatzheim

Frieden ist da, wo wir ihn hinbringen.

5:45 Uhr, Morgengebet und guten Morgen, unser Brudermeister Peter macht uns Sorgen. Maria spontan die Verantwortung als Brudermeisterin übernahm.

Kreuz voran, ist die Aufforderung sich wieder in Bewegung zu setzen. Das Kreuz wird auf der Wallfahrt immer vorne getragen. Es ist ein Zeichen und ein Hinweis auf Gott, der uns unseren Weg weist. Alle gehen hinterher und lassen sich auf schwierigen Strecken davon “ziehen” oder tragen es selbst und finden dabei neue Kraft. Die Gruppe läuft sich ein und wächst zusammem, macht Erfahrung mit Beten, Singen, Gespräche, Schweigen auf dem Weg. Der Alltag schwindet, die Gruppe und das Miteinander werden wichtig. Wenn die Müdig-keit oder Schmerzen die nächsten Schritte beschwerlich machen, tut es gut wenn jemand neben einem geht und etwas erzählt. Jeder Pilger kommt im Laufe der Pilgerwoche irgend wann an seine Grenze. Eine kurze Pause wirkt dann wie ein kleines Wunder. Es geht voran bei Gebet und Gesang. In Gladbach bei Familie Briem sind wir kurz nach acht, hier wird zum Frühstück Halt gemacht.

Beten ist nicht ganz leicht. Man weiß manchmal nicht, wie man ein Anliegen formulieren soll. Aber auf einer Wallfahrt ist das Beten so bequem. Im Gebet oder der Stille kann man Gottes Nähe spüren. Man wird aufmerksam für die Sorgen und Freuden unserer Mitpilger, mit denen wir unser Dasein in dieser Woche teilen. Mögen wir Gottes Gegenwart erfahren und uns zu einem Gespräch mit Gott ermutigen. Auf einer Wallfahrt werden kleine Dinge bewegt. Es kann großes daraus werden.

Zur Trinkpause dürfen wir wieder Gast bei Familie Berg sein. Ein kleiner Anlauf kurz und gut, weil an der Ecke eine Marienkapelle stehen tut. Halten wir an im Pilgerschritt, für die Losung gelesen von Silke.

"Verstehen durch Stille, Wirken aus Stille, Gewinnen in Stille", D. Hammerskjold

Schönster Sonnenschein hat sich eingestellt. Weiter gehts die alte Pilgerstraße hinauf zur Stele. Es ist schon Tradition, hier erwarten uns die Korschenbroicher – Pilger. Ein Lied zusammem singt man im Chor noch hier, das gehört schon dazu auf dem Weg nach Trier. In Eicks bekommen wir wieder Eintopf serviert. Es gab auch Getränke, die wurden von den Jubilaren spendiert. Nach dem Essen gehts hoch zur Marienkapelle. Früher war alles mit bunten Blumen geschmückt, heute sind die Wege mit viel Matsch und Morast bestückt. Mit Singen bewältigen wir die Straße bis Schützendorf. Bis Kall das weiß jeder, sind es noch anstregende Kilometer. Freitagnachmittag, der Tag, der nicht enden mag.

Aus einer Erzählung: Manchmal hat man eine lange Straße oder einen langen Weg vor sich. Man denkt:” die ist so schrecklich lang, das kann ich niemals schaffen”. Und dann fängt man an sich zu beeilen, und man eilt immer mehr. Jedesmal wenn man aufblickt sieht man, daß es garnicht weniger wird. Nur das was vor einem liegt. Und dann strengt man sich noch mehr an und kriegt Angst und zum Schluß ist man aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. Man darf nie an die ganze Strecke auf einmal denken, man muß nur an den nächsten Schritt denken an den nächsten Atemzug! Und immer wieder an den nächsten ….. dann macht es Freude. Das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut, und so soll es sein. Auf einmal merkt man, das man, Schritt für Schritt, die ganze Strecke hinter sich gelassen hat. Man merkt nicht wie und man hat noch Puste, “Das ist wichtig”.

In Kall eine süße Auszeit als Stimmungsaufheller, für die letzten noch zu bewältigen Kilometer. Noch ein kleiner Halt zum Abendgebet (Gernot). Schon ist die Jugendherberge in Sicht. Gemütlichkeit ist Trumpf.

Bei den Frauen ist der Ablauf abends und morgens geplant. Von einigen Männern weiß ich, dass sie im Bettbezug schlafen. Das Bettlaken wird nur über die Matratze gelegt. Morgens das Bett abziehen entfällt. Der männliche Pilger ist in Kosmetikfragen unbekümmert, kurzum: er ist ein Pflegemuffel. Zur Gesichtsreinigung benutzt er nur Wasser, obwohl er täglich 30 Minuten im Bad verbringt. Er lebt aber auch gefährlich, deshalb nass rasieren vor dem Frühstück. Warum? Während der Verdauung nimmt der Herzschlag zu, somit auch die Durchblutung der Haut. Das steigert die Verletzungsgefahr. Ein Glück das es schnurlose Rasierer gibt. (Für Pilger oder Eilige). “Aber so ein Dreitagepilgerbart macht auch was her”. Die Betten zu unbequem, die Duschen überfüllt, kaltes Wasser! Das anschließende, gemeinsame Essen entschädigt uns für den langen anstrengenden Freitag.


Samstag, 31.05.2014, Urft                                                                                                                                                                      

Willst du in Frieden mit dir selber leben, versuche nicht mehr zu sein als du bist. Aber sei das, was du bist ganz.

5:00 Uhr Frühstück, der frische Kaffee ein guter Start in den Morgen.           

6:00 Uhr, der Gottesdienst im Hermann – Josef – Haus war wunderschön. Gestärkt mit Gottes Wort beginnt unser 3.Wallfahrtstag. Es ist etwas frostig heute Morgen. Der Rosenkranz wird gebetet wie immer im Gehen. Ringsum uns die grüne Natur. Sie sorgt für reichlich stabilisierende Botenstoffe, die unsere Seele erfrischt und stressresistent macht. Die grüne Farbe beflügelt nicht nur die Stimmung, sondern auch unsere Gedanken. Schönster Sonnenschein hat sich eingestellt. Wir Pilger erreichen die Pause an der B258 um 8:30 Uhr. Kleine Genüsse zwischendurch sind allgegenwärtig, die einen genießenswerten Höhepunkt bieten. Eine Kleinigkeit genügt schon um zufrieden zu sein.

Zur Losung liest Norbert, danach “Peace Frieden Shalom Salam” man singt.

10:15 Uhr, wir werden schon in Schmitdheim erwartet. Erwähnenswert ist wieder die Kunst, so eine perfekte Tafel für uns Pilger zu zaubern. Wie in jedem Jahr wird den Neupilgern und Jubilaren ein Likör beschert, hier und jetzt, danach wird die Wallfahrt betend und singend fortgesetzt. In Feusdorf, im großen Saal, sitzen wir um 12.30 Uhr beim leckeren Mittagsmahl - gestiftet von der Familie Kohlen, für alle Pilger ich Danke sag.

Die Sonne am Himmel, die Natur im Blick, den Wind im Haar so gehts um 13:30 Uhr weiter dann. Dem streßigen Alltag mal entfliehen. Umschalten, auf das eigene Innenleben zu hören. Besonders hilfreich ist eine körpereigene Methode, kein Glaubersalz oder Wellnesstee, nur eine Wallfahrt mitmachen. Die Seele entschlacken. Beim Rhythmus der Bewegung befreit sich die Seele vom Ballast und man fühlt eine Leichtigkeit. Urlaub für die Seele, so kann man auch eine Pilgerreise nennen. Trotzt der zu bewältigen Strecke kann man entspannen und neue Kraft schöpfen.

“Pilgern als anstrengender, erholsamer Wohlfühlurlaub”                                    

Erhohlung von den Alltagsstrapazen, von dem kräftezährenden Leistungsdruck, Abstand suchen von einem belastenden Problem. Einfach nur Reserven tanken, wieder durchatmen, Zeit für sich gewinnen. Die Seele blüht auf.                                                                                                                  

15:45 Uhr, Einkehren bei Familie Bartels zur Nachmittagspause, der Kaffee duftet wie zu Hause. Es gibt große Kuchen- und Tortenstücke wie seit Jahren schon. Von Monika gab’s Eierlikör als kleiner Lohn noch dazu.                                                                

16:50 Uhr, die Matthiaskapelle ist unsere letzte Anlaufstelle. Hier gibts kein langes Verweilen, bevor wir nach den fünf Wunden, gebetet von den Neupilgern, nach Büdesheim eilen.    Mit dem Abendgebet endet ein verschwitzter Pilgertag.


Sonntag, 01.06.2014, Büdesheim

"Was nutzt es dem Menschen, wenn er schnell voran kommt, seine Seele aber auf der Strecke bleibt." P.Seelen

Zum Frühstück treffen alle um 5:45 Uhr ein. Es ist ein besonderer Tag, weil Monika Geburtstag hat.

6:15 Uhr, Morgengebet - letztes Jahr hatten wir im Mai gefühlte Eiszeit. Heute weht ein frischer Wind, deshalb machen wir uns auf den Weg geschwind. Es geht die Pilgerstraße hinauf. Wir setzen uns in Bewegung. Wir wandeln Wege, deshalb wandeln wir uns. Die Sonne lugt ab und zu hervor. Jetzt gehts durch den Wald auf abgelegenen Wegen, ohne ständiges aus- oder zurückweichen.  Die Wallfahrt ist zu schön um sich über solche Kleinigkeiten zu ärgern. (Vatertag) Die Nase einfach in den Himmel gestreckt. In Weißenseifen sind wir kurz nach acht.

9:25 Uhr man sich betend in Richtung Pöllke aufmacht. Ankommen, innehalten, stille werden, sprachlos sein. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf das schlichte Holzkreuz. Die Stille, die der Wald hervorbringt, ist Sauerstoff für die Seele. Maria ergreift das Wort zur Losung: Wir sind auf dem Weg des Friedens, dafür ist hier der richtige Ort.

Wir sind eine ökumenische Gemeinschaft. Die Unterschiedlichkeit der Pilger, das gemeinsam Erlebte formt den Geist der Pilger jedesmal aufs Neue. Es werden Bilder gemacht wie immer hier, es gehört mit als Erlebnis dazu auf dem Wege nach Trier. Nach dem Segen und Gebet machen wir uns mit guten Gedanken als Wegzehrung auf den Weg nach Neuheilenbach.

10:30 Uhr, die Messe in Neuheilenbach war wieder eindrucksvoll und schön.        

12:45 Uhr, das Eisenmännchen (eingewachsen in einer Buche) erwartet schon unser Ankommen. Der Himmel ist plötzlich duster. Wie kann es anders sein, leichtes Nieseln stellt sich plötzlich ein. Der Herr läßt uns durch den Regen segnen.

13:15 Uhr, Zum Mittagessen werden wir wieder verwöhnt, bevor es weiter munter und erholt bis Kyllburg geht. Eine Busfahrt steht bis Kordel an. Zur Belustigung trugen Andreas und Bernd etwas bei. Deren Köpfe wurden für die Schultern zu schwer, jeder suchte Halt beim Nebenmann, was bei uns ein Kichern und Schmunzeln auslöste.

16:00 Uhr, in Kordel werden wir singend von den Radpilgern begrüßt. Eine kleine Andacht halten wir, die Neupilger und Jubilare: Thomas Bommes, Sabine Meuser, Gerti Rösner und Marlene Hoesen für 10 Jahre, Marga Meuser, Rita Winkels und Johannes Meuser für 20 Jahre, sowie Hermann Josef  (Hemma) Siegers für 25 Jahre, werden geehrt. Bevor man maschiert nach Ramstein recht stramm, wird vor der Kirche von Monika Sekt gereicht als erfrischenden Trank.


Montag, 02.06.2014, Burg Ramstein

"Frieden ist nie allein Suche der Anderen, sondern immer auch ein Stück Arbeit an dir selbst." Al. Balling

6.30 Uhr, Aufbruch von Burg Ramstein nach dem Morgengebet und einem Lied (gewünscht von den Gastleuten) müssen wir auch schon weiterziehn. Aufbrechen mit dem Pilgerdrang, um Trier pünktlich zu erreichen. Es ist noch kühl heute morgen, ums Wetter muß man sich nicht Sorgen. Kurzer Stopp am Eifelkreuz.

Gebet von Thomas:

Die Kreuzschau Gott hatte Erbarmen mit einem Menschen, der sich über sein zu schweres Kreuz beklagte. Er führte ihn in einen Raum, wo alle Kreuze der Menschen aufgestellt waren, und sagte zu ihm:”Wähle!” Der Mensch machte sich auf die Suche. Da sah er ein ganz dunes, aber dafür war es länger und größer. Er sah ein ganz kleines, aber als er es aufheben wollte, war es schwer wie Blei. Dann sah er eins, das gefiel ihm, und er legte es auf seine Schultern. Doch da merkte er, wie das Kreuz gerade an der Stelle, wo es auf der Schulter auflag, eine scharfe Spitze hatte, die ihm wie ein Dorn ins Fleisch drang. So hatte jedes Kreuz etwas Unangenehmes. Und als er alle Kreuze durchgesehen hatte, hatte er immer noch nichts Passendes gefunden. Dann entdeckte er eins, das hatte er übersehen, so versteckt stand es. Das war nicht zu schwer, nicht zu leicht, so richtige handlich, wie geschaffen für ihn. Dieses Kreuz wollte er in Zukunft tragen. Aber als er näher hinschaute, da merkte er, dass es sein Kreuz war, das er bisher getragen hatte.                                                                                                                     

Es folgt 10 Minuten Schweigen, innehalten, still werden. Schweigen ist keine Strafe, macht nicht einsam, man atmet anders, das gibt Sauerstoff für die Seele.

8:05 Uhr Schneidersmühle                

9:15 Uhr Fachhochschule - jetzt nur noch an der Mosel entlang, die letzten Kilometer, die geprägt sind von der Vorfreude anzukommen oder gleichzeitig die Vorstellung die letzten Meter nicht mehr zu schaffen. Heiliger Matthias zu dir kommem wir….

Die Glocken, die Fahrradpilger und einigen Angehörige heißen uns, wie auch Pater Athanasius, willkommen. Ein ergreifender Moment, man ist ruhig und gleichzeitig angefüllt mit Emotionen. Man hat keine Worte, das Herz rast, selbst das Luftholen ist anstrengend.

"Den Bogen, durch den ihr gekommen seid, ist nicht für den Papst und nicht für den Bischof, für keinen Präsidenten er ist allein für euch" so die Worte von Athanasius. Nun geht hinein zum Matthiasschrein, wo ihr eure Anliegen ablegen könnt.

Einzug wie immer mit den Gladbacher – Pilgern. Während wir Platz nehmen, stellt sich ein Gefühl von Vertrautheit ein. Es breitet sich ein Gemeinschaftsgefühl aus, was man unter den teilnehmenden Bruderschaften als eine besondere Atmosphäre bezeichnen kann. Dann wird es still, und alle kommen mit dem Herzen an. Voller Stolz erhalten die Neupilger: Claudia, Norbert, Marcel und Thomas ihre Erstpilgerplakette. Die Jubilare für 10 Jahre: Marlene, Gerti, Sabine, Thomas und Hemma für 25 Jahre, werden mit einer Kerze geehrt. Die Messfeier mit soviel Pilger ist ein Erlebnis für sich. Die vergangenen Tagen vergißt man so schnell nicht.

Fotos, Verabschiedung im Kreis ist ein Muß, weil die Gemeinschaft auseinander gehen muß.


Dienstag, 03.06.2014, Trier

Wenn der Weg unendlich scheint, und plötzlich nichts mehr geh’n will wie du wünschst – gerade dann darfs du nicht zaudern.

9:00 Uhr, die Pilgermesse war schön, wenn man davon absieht, dass man nichts verstehen konnte. Verabschiedung und Auszug war etwas merkwürdig für mich.                                                                                                              

10:30 Uhr, Abmarsch im Pilgerschritt. Heiliger Matthias von dir scheiden wir…..

11:25 Uhr, sind wir in Paulin, etwas Süßes und zu Trinken brauchen jetzt wir.

13:00 Uhr, wir haben betend Ruwer erreicht. Bis 15.00 Uhr haben wir jetzt Zeit für das Erlebte, und um sich zu Freuen auf das was noch vor uns liegt. Bis Piesport haben wir die Fahrt schlafend verbracht. An der Spoarkapelle wurden wieder die selbstgebastelten Kreuze dargebracht. Schweigend gehts bis zum Kaffee dann, in Klausen kommen wir pünktlich an. Mit Pilgern aus Adenau wir zusammem Einzug halten, die Messe wir gemeinsam gestalten. Ein gemütlicher Abend und eine ruhige Nacht wird in Klausen verbracht.


Mittwoch, 04.06.2014, Klausen

"Hat man sich mit jemandem entzweit, soll man vor Sonnenuntergang Frieden schließen." B.v.Kursia

7:45 Uhr, Auf dem Weg des Friedens setzen wir unsere Wallfahrt fort. Mit Beten fängt man schon gleich an.                                                                          

8:40 Uhr ist schon Pause im Wald.                                                                            

10:00 Uhr, wir kommen in Wittlich schweigend an, vorher Margret noch die Losung liest. 10 Minuten Stille, Merk auf dieses feine, unaufhörliche Geräusch: es ist die Stille. Horch auf das, was man hört, wenn man nichts vernimmt!                     

Frühstückspause zur rechten Zeit, anzusehen war es den Pilgersleut. In Lüxem, am Sportplatz, steht wieder Süßes auf dem Program, bis zum Busberg gehts ganz steil und nur schleppend voran.

12:30 Uhr, in Greimerath im Bürgersaal gibts heute nicht nur das Mittagsmahl. Als Überraschung hat Gernot sich mit seiner Tochter ganz früh auf den Weg gemacht und uns Grüße aus Kleinenbroich mitgebracht. Die Stimmung war wunderbar, mit dem Bus ging es dann bis Mehren, doch leider konnten wir nicht in die Kirche einkehren. Es ging weiter bis in den Wald, ein gesegneter Nachmittag scheint es zu werden. Wir sind doch Pilger, begeben wir uns in seinen Segen.

16:00 Uhr, in Darscheid in der Kirche angekommen, eine kleine Verschnaufpause wird genommen. Eine Andacht halten wir dann hier, so ist es immer am Vorabend auf dem Rückweg von Trier.


Donnerstag, 05.06.2014, Darscheid

Das größte menschliche Gebet bittet nicht um den Sieg, sondern um Frieden." D.Hammerskjöld

7:50 Uhr Zum Morgengebet sind alle an der Alfbachquelle eingetroffen. Zum letzten Mal wird los maschiert, ein kalter Wind weht uns entgegen. Es geht zügig voran, um 8:55 Uhr sind wir schon am Affelskreuz dann. In Kelberg ist unser letztes, gemütliches Beisammensein, das letzte Frühstück steht bereit.

10:35 Uhr, unsere letzte Etappe beginnt, einige Begleiter schon auf dem Heimweg sind. Wir müssen noch um den Nürburgring, da hier ein paar Hindernisse in diesem Jahr zu überwinden sind.

14:15 Uhr, kommen wir in Adenau an. In der Matthiaskapelle das letzte Gebet, mit 3 Kleinbussen es nach Hause geht. Wir kehren alle bei Trauscheid ein, bald war hier eine frohe Geselligkeit.

17:05 Uhr, Von Glehn aus gehts wieder zu Fuß. Bei Türks heißt man uns willkommen, das ist wie ein Muß. Zur Kirche gehts mit Glockengeläut, hier kehren wir, mit allen die für uns gekommen sind, ein. Friedhelm heißt uns herzlich willkommen. Hubertus ergreift das Wort zum Danken. Maria schließt sich dem Danken an, mit Applaus bedanken wir uns bei Maria dann. “Lobe den Herrn meine Seele” man singt, danach man sich noch Abschiedsworte sagt, ein Foto schließt die Wallfahrt ab.

Es tut gut nach einer anstrengenden Pilgerwoche immer wieder ein gutes Wort oder ein Dankeschön zu hören. Das freut nicht nur die Brudermeister, deren Helfer oder die Begleiter sondern das ganze Team.

Wallfahrer oder Pilger sein heißt, unterwegs sein mit leerem Gepäck, und zurück kommen mit einem gefüllten Gepäck von unvergesslichen Begegnungen und Erinnerungen.

Macht man seine erste Wallfahrt, hat man das Gefühl von Zauber, etwas Neues erleben zu dürfen. Oft bleibt die Erinnerung an dem Erlebten ein Leben lang. Aber aller Anfang ist schwer. Die erste  Wallfahrt ist nicht immer wunderbar und schön – doch unvergeßlich. Der erste Tag fühlt sich länger an als die Tage danach. Die erste Wallfahrt bringt eine neue Lebenserfahrung, läßt einen reifen, gibt einem etwas mit und prägt einen. Im Alltag nehmen wir unsere Umwelt weniger wahr als in Momenten in denen alles neu ist, und wir unsere Sinne auf Empfang stellen. Bleibt man dem Pilgern treu, wird mit der Zeit die erste Wallfahrt zu einer Anekdote, die wir viel schöner im Gedächnis haben als sie vielleicht war.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen." Goethe

Freuen wir uns auf die nächste Wallfahrt. Alles auf Anfang und voller guter Vorsätze.

Frieden, ein Sehnsuchtswort, Frieden, etwas zerbrechliches, Frieden, ein Geschenk an die Menschen. Er ist kein Naturereignis, man kann etwas für ihn tun. Der Weg des Pilgers soll ein Weg des Friedens sein. Den Segen Gottes sehn und seinen Frieden weiter geben, läßt uns aufstehn und gehn. Den Segen Gottes sehn und seinen Frieden weitersagen, läßt uns aufstehn und gehn.                                                                           

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Marga